GASTPROFESSUREN AN DER NEW YORK UNIVERSITY UND AM CENTER FOR DISCIPLINARY INNOVATION (CDI)/ AN DER UNIVERSITY OF CHICAGO
Im Sommersemester 2012 nimmt Frau Prof. Dr. Barbara Vinken ein Forschungsfreisemester an der LMU München, um zwei Gastprofessuren in den USA anzutreten. Sie gibt Kurse am German Department der New York University und am Center for Disciplinary Innovation (CDI) sowie am Department of Comparative Literature der University of Chicago. Dennoch wird Barbara Vinken zusätzlich Blockveranstaltungen an der LMU anbieten.
FORSCHUNGSPROFESSUR
Frau Prof. Dr. Barbara Vinken nimmt im Sommersemester 2010 eine Forschungsprofessur an der Freien Universität Berlin im Rahmen des Exzellenzclusters Languages of Emotion wahr und wird an der LMU von Dr. Edi Zollinger vertreten.
Information:
Frau Vinken nimmt im Wintersemster 2009/10 ein Forschungssemester im Rahmen des Flaubert-Zentrums wahr und wird von Dr. Edi Zollinger vertreten.
Civil Wars in European Literature from Lucan to Henry James
Blockseminar im Juli zusammen mit Michèle Lowrie (Professorin am Department of Classics an der University of Chicago)
Die römischen Bürgerkriege waren für die politische Konstitution des römischen Reiches zentral. Denn schließlich geht mit ihnen auch die Zeit der römischen Republik zu Ende und das Kaiserreich beginnt. Sie waren auch für die historisch-kosmische Situierung des römischen Reiches wichtig: war Rom ein ewiges, weltumspannendes Reich in Frieden bestimmt, das die Welt ordnet, oder bricht das Chaos immer wieder in diese schöne, kosmische Ordnung ein? Diese Fragen sollen an den beiden wichtigsten Texten zum Bürgerkrieg besprochen werden, nämlich an Caesar und Lucan.
Die europäische Literatur setzt an diesen, entgegen gesetzten Interpretationen an. Wie ein basso continuo beziehen sich Historiker und Literaten oft implizit auf die römischen Szenarien. Die französische Revolution und a fortiori der Terreur (Hugo), die deutschen Befreiungskriege (Kleist), die 48er Revolution (Flaubert) und natürlich, offensichtlicher, der amerikanische Krieg zwischen Nord- und Südstaaten wird als Bürgerkrieg gedeutet (Henry James, Walt Whitman).
Texte des Hauptseminars: Caesar, De bellum civile, Lucan, De bellum civile, Hugo, Quatre-vingt-treize, Flaubert, L’éducation sentimentale, James, The Bostonians, Walt Whitman, Memoranda of the War.
Das Liebesgedicht von der Antike bis in die Gegenwart
zusammen mit Jürgen Paul Schwindt (Professor für Klassische Philologie, Heidelberg)
Das europäische Liebesgedicht beginnt mit den nur fragmentarisch überlieferten Gedichten der Sappho. Als lateinische Liebeselegie zwischen Catull und Ovid hat die Gattung in der goldenen Latinitas ihre Blüte erreicht. In der europäischen Liebeselegie bleibt sie für Petrarca und Baudelaire, für Heine und Rilke prägend. Der Dialog zwischen Antiken und Modernen ist Gegenstand des Seminars.
(Catull, Properz, Tibull, Ovid, Petrarca, Baudelaire, Heine, Rilke)
Eros: Triebe und ihre Schicksale
zusammen mit Frau Professor Fabienne Liptay, Herrn Professor Aage Hansen-Löve und Herrn Professor Michael Zimmermann
Was sind Triebe, Affekte, Emotionen? Wie verhält sich ihre Ökonomie zur älteren Ordnung der Empfindungen, Assoziationen und Leidenschaften? In welchen Zonen des Unbewussten wirken sie; wie schreiben sie sich dem Erleben und dem Erinnern ein? Welche Chancen hat ihnen gegenüber (noch) der freie Wille, das selbstbestimmte Subjekt? "Eros" ist ein Stichwort, das diese Fragen stets im Blick auf den Anderen perspektiviert.
Angewiesen-Sein, Liebe, "posséder et détruire" (Régis Michel) sind Erfahrungen, in denen das Leben über alle Versuche triumphiert, es zu steuern und es zuzurichten - oder es in Literatur und Kunst zu kodieren.
Die Epoche des späteren 19. Jahrhunderts wird ein Schwerpunkt des Seminars sein. Es ist die Zeit der Entstehung einer verwissenschaftlichten Psychologie - auf der Grundlage der physiologischen Erforschung des Nervensystems, aber auch von Darwins schonungsloser Darlegung des Geschlechterkampfs und seiner Bedeutung für die natürliche Zuchtwahl. Ein zweiter Schwerpunkt sind Kunst und Film der Gegenwart. Flaubert und Zola, Tolstoj und Manet werden zur Diskussion gestellt; zur Videokunst der Gegenwart werden Beispiele gezeigt, die ansonsten nur auf Ausstellungen zugänglich sind. Zwischen den kontrastierten Epochen werden auch Brücken gebaut: durch Blicke auf den "Triebfilm" der 1920er Jahre und auf Nabokov.
Grundlage der Debatte sind gemeinsame Lektüren zum "Begehren" in der intellektuellen Debatte der Gegenwart.
Flaubert: Realismus/Orientalismus
Kompaktseminar zusammen mit Herrn Professor Michael Fried, Frau Professor Anne Deneys-Tunney und Frau Gesine Hindemith (Co-teaching), bestehend aus zwei Kompaktseminareinheiten (mit Vortrag) und einem Lektürekurs
1. Teil: Stylistic Regimes in Madame Bovary and Salammbô
Gustave Flaubert’s practice of (what he called) „le gueuloir“ involved his reading his prose out loud more or less as he wrote it in order to eliminate assonances, consonances, repetitions of all kinds. The aim was a new sort of stylistic perfection, comparable to that of poetry but in the medium of prose. And yet Madame Bovary is full of repetitions of various kinds that indicate a counter-tendency toward habit and automatism that students of the writer have never fully taken into account. In this seminar we will look closely at a number of passages that reveal that tendency in its various manifestations. Furthermore, if there is time, we will extend our investigation to the novel he wrote immediately afterward, the extraordinary Salammbô, which I will try to show is governed by a very different stylistic regime.
Teil des ersten Seminarteils ist auch ein öffentlicher Vortrag von Michael Fried (Johns Hopkins University, Baltimore) : „Flaubert and Courbet“
Do, 17.11.2011, 18.00 Uhr (Ort wird noch bekannt gegeben)
2. Teil: L’ Orient Textuel: Volney en Syrie et en Egypte
Redigé à Paris en 1785, à son retour d'orient, le Voyage en Egypte et en Syrie de Volney ouvre ce que l'on a coutume d'appeler " "L'Orientalisme" en France et en Europe, soit une véritable mode et passion politique, esthétique et culturelle pour l'Orient. Seule une lecture directe et complète de ce texte qui aura tant d'importance pour les auteurs des générations suivantes (de Chateaubriand à Flaubert pour ne citer que ces deux noms) peut révéler au lecteur l'importance d'une oeuvre dont nous sommes mieux à même aujourd'hui de mesurer la modernité. Dans sa composition bi partite, ce texte définit une nouvelle conception du voyage comme science, et celà, à partir d'une critique contre l'impressionisme et l'exotisme. L'idéal scientifique dont Volney s'inspire est celui défini par Linné et Réaumur, soit une recomposition des sociétés humaines à partir de leur ancrage naturel et matériel dans une géeographie spécifique. Volney, pour ce projet de voyage scientifique, va dresser avec soin une liste de problèmes géographiques, ethnologiques et sociologiques, chacun de ces problèmes nécessitant une attention particulière. Le projet de Volney étant celui d'une reconstitution complète, à la fois diachronique et synchronique, de la totalité orientale, à la fois dans ses climats, son histoire, son économie, sa géographie, ses peuples, ses coutumes, ses arts et ses religions. Ce projet philosophique va bien au delà de ce à quoi on a trop tendance à le réduire au jourd'hui - à savoir le projet impérialiste de la colonisation française qui ne se déroulera que plus tard, avec l'expédition de Napoléon en Egypte - Volney a une véritale ambition philosophique et éthique, qui invente un nouveau rapport de la modernité à l'antique et à l'orient. C'est dans ce rapport à l'histoire et à l'orient que les générations futures se penseront comme sujets historiques et culturels.
Dacia Maraini
zusammen mit Frau Dr. Angela Oster
Dacia Maraini ist die am häufigsten übersetzte italienische Schriftstellerin der Gegenwart weltweit. Ihre Texte kennzeichnet - entgegen der verklausulierten und theoretischen Schreibweisen der Postmoderne - eine bemerkenswerte Erzähl- und Lesbarkeit, in welcher die Verwebung von Fiktionen und Fakten zum wohl grundlegendsten Problem der Kunst, nämlich der Authentizität führen. Maraini tritt mit dem Anspruch auf, „wahre Geschichten" zu schreiben, was sich nicht zuletzt in ihren autobiographischen Romanen wie Bagheria oder La nave per Kobe. Diari giapponesi di mia madre dokumentiert. Die Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten einer „scrittura femminile" kennzeichnet auch Texte wie Cercando Emma. Gustave Flaubert e la signora Bovary: indagini attorno a un romanzo, La lunga vita di Marianna Ucrìa und Colomba. Das Seminar wird von daher auch Gender-Konzeptionen in die Diskussion integrieren.
Flaubert
mit Herrn Professor Thomas Schestag und Herrn Professor Jacques Neefs
1. Seminarteil mit B. Vinken, Th. Schestag: Proust und Flaubert
Das Kompaktseminar, vom 4. - 6. Oktober, ist drei Aspekten im Werk Marcel Prousts gewidmet. Der erste Teil, im Zeichen des Lesens und der Übersetzung, setzt sich mit Prousts kommentierter Übersetzung von John Ruskins Vortrag Des trésors des Rois auseinander; außerdem mit dem Vorwort – Sur la lecture –, das Proust seiner Übersetzung in dem Band Sésame et les Lys vorangestellt hat. Der zweite Teil gilt Fragen nach dem Status des Autors und der Autorschaft, die ausgehend von einer Stelle der Recherche, im Zusammenhang mit Vermeers Gemälde Die Ansicht von Delft, diskutiert werden sollen. Der dritte Teil geht Prousts Auseinandersetzung mit der Frage des Namens und den Spuren nach, die diese Auseinandersetzung in Schriften Walter Benjamins gelassen hat.
2. Seminarteil mit B. Vinken, J. Neefs: Flaubert: voir, croire, savoir, la pensée critique de la prose
Le séminaire s’attachera à la fonction que Flaubert donne à la prose narrative comme exercice d’interrogation sur les croyances, sur l’opinion, sur les savoirs, et comme construction d’une beauté nouvelle, critique, ironique, et étrangement « mimétique », dégageant, au sein des discours et du tumulte des « positions », un rapport sensible au monde tout à fait singulier. Flaubert s’attache au pluriel des religions, dans les différentes versions de La Tentation de saint Antoine, dans Salammbô, dans Trois Contes, en particulier dans Hérodias, et à la précarité et aux contradictions des savoirs et des discours d’autorité dans ses romans « contemporains », Madame Bovary et L’Éducation sentimentale, mais plus particulièrement dans Bouvard et Pécuchet. Des rapprochements entre Bouvard et Pécuchet et La Tentation de saint Antoine ont été proposés, en particulier par Michel Foucault. Nous reprendrons cette question, en considérant également d’autres textes de Flaubert : c’est la contraignante et dérisoire autorité de toute « représentation » reçue que la prose démontre et défait, en conquérant sa singulière autorité esthétique, celle d’un scepticisme véritable, et en ouvrant l’espace d’une « ontologie moderne ».
Zum Fressen? Das nackte Fleisch im 19. Jahrhundert (the nude/the naked, flesh/meat, la viande/la chair)
zusammen mit Frau Professor Johanne Lamoureux
Sowohl die Literatur als auch die Kunst war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom "Fleisch" besessen. Am Beispiel von Courbet, Flaubert, Manet, Zola, Caillebotte und Maupassant sollen die Erotisierung des Fleisches einerseits, seine Hinfälligkeit und Todesverfallenheit andererseits beleuchtet werden. Zentral für die Frage des "Fleisches" ist die des Verzehrs, des Konsums und damit der Ambivalenz zwischen tierischem und weiblichem Fleisch. Fleisch wird in der Wollust des Boudoirs, aber auch bei Tisch konsumiert, Fressen und Sex werden in dieser Metapher kurzgeschlossen. Oder es wird im ästhetischen Genuss - man möchte sagen - transsubstantiiert. Wie selten steht Pygmalion als Metapher für künstlerisches Schaffen im Raum: Leben lebendig zu schaffen, das Fleisch so darzustellen, als ob man das Blut pulsieren sieht. Literatur und Kunst streiten um dieses Vermögen.
"The Orient" in the French and English Novel of the late 19th century.
zusammen mit Frau Professor Gabriele Brandstetter
The Orient, as discovered in the Oriental Renaissance, became in the literature of the second half of the 19th century quickly a metaphor for the decadence of modernity and most prominently for an “abnormal”, “perverse” sexuality. This development became almost proverbial in Proust’s formula of an oriental colony the homosexuals would constitute wherever in the world they might be.
In a first step, this seminar will set out to bring this oriental, often anti-semitic topology to the surface. In the French Novels, the oriental coding of the decadence of modernity remains usually implicit. To decode this implicit code, we will read Balzac, “Les illusions perdues”, Zola “L’ Argent” and “La Curée”, Maupassant “Bel-Ami” and Proust “Sodom et Gomorrhe”. George Eliot “Daniel Deronda” will then be read as a counter-discourse.
Flaubert and Courbet / Flaubert, literature and politics
Hauptseminar (Blockseminar) mit Michael Fried, Jacques Rancière, Barbara Vinken
7./8. und 28./29. Mai 2010, 9.00-17.00 Uhr
Ort: Französische Bibliothek, Ludwigstr. 25
Gustave Flaubert and Gustave Courbet are great contemporaries whose respective achievements – whose visions of reality and of their respective arts – have more in common than has usually been recognized. The first part of the class (with Michael Fried) will try to support this claim with close readings of pictures and texts. Special emphasis will fall on Flaubert's Madame Bovary and on Courbet's self-portraits and his Realist paintings of 1848-55.
Unlike the literary critics of the 20th century, who denounced the Flaubertian conception of art as religion because of its aristocratic character, Flaubert's contemporaries instantly identified the literary emergence of Madame Bovary with the political emergence of democracy, i. e. a democracy which is not conceived of as political regime or doctrine but as a specific form sensitive to equality. The aim of the second part of the class (with Jacques Rancière) is to develop an understanding of how it was possible for the conception of literary style as a "manière absolue de voir les choses" to coincide with a redistribution of different forms of sensual experience, enabling everybody to feel any kind of sensation or aspiration. By confronting the Flaubertian connection of literature and democracy with literary forms and figures as well as with significant modes of interpretation, these questions will be put into a larger context: What sort of equality does literature share with the forms of experience it describes? By which forms of diversity or inequality does it distinguish itself? What is their connection to the equality and inequality of political action on the one hand and to that of the social sciences on the other?
Das Seminar findet auf Englisch statt. Es gliedert sich in zwei Teile, die für den Erwerb eines Scheins beide Pflicht sind, sonst aber auch selbstverständlich einzeln besucht werden können. Anforderungen für den Scheinerwerb sind ferner die Übernahme eines Referates sowie die Abfassung einer Hausarbeit.
Anmeldung telefonisch oder per Mail im Sekretariat Prof. Vinken (Tel. 2180-3531, sekretariat.vinken@romanistik.uni-muenchen.de).
Realismus/Religion: Manet Flaubert
14.-18. Dezember 2009, Venice International University (ViU)
Um frühzeitige Anmeldung im Sekretariat wird gebeten: 2180-3531 oder sekretariat.vinken@romanistik.uni-muenchen.de.
Ralph Ubl, Beate Söntgen, Barbara Vinken, Michael Zimmermann
(veranstaltet in Kooperation mit dem Flaubertzentrum im Rahmen des bayrischen Elitestudienganges „Text und Bild“)
Flaubert und Manet gelten in der Literatur und der Kunst als Väter der Moderne. In seltsamem Widerspruch zu diesem Befund steht beider Faszination mit religiösen Themen, die sich für Flaubert am offensichtlichsten in den Trois contes,, für Manet am klarsten in den beiden Passionsbildern (New York, Chicago) zeigt. Man hat lange versucht, diese Faszination „modern“ und das heißt im Sinne der Aufklärung als „Demystifikation“ von Religion oder als „Säkularisation“ zu interpretieren. Das Seminar wird der Frage nachgehen, wie dies mit dem trotz der Offensichtlichkeit der Gestelltheit oder Konstruiertheit von Bild und Text stark hervorgerufenen Mitleiden zusammenzubringen ist. Vielleicht ist das das Moderne an Manet und Flaubert: ein unglaubliches Pathos in der Durchkreuzung aller Pathosformeln hervorzurufen.
Antike Legenden und das 19. Jahrhundert/ Flaubert und die Epistemologien des Wissens
LMU, 12-16 Oktober, Französische Bibliothek, IV. Stock, Ludwigstr. 25.
Mit Susanna Elm, Hans Ulrich Gumbrecht, Barbara Vinken.
Im ersten Teil des Seminars wird Susanna Elm (Berkeley), im zweiten Hans Ulrich Gumbrecht (Stanford) Regie führen.
Im Mittelpunkt steht zunächst Flauberts erste der Trois contes, dem letzen vollendeten und publizierten Werk. Wichtigster Intertext des „Einfachen Herzens“ in Flauberts Trois contes ist eine berühmte Heiligenlegende der Spätantike, Perpetua und Felizitas. Die Intertextualität im Werk Flauberts soll anhand des „Cœur simple“ untersucht werden, wobei die Frage und Diskussion um die Bedeutung der Erzählung (Religionssatire oder moderne Heiligenvita?) als Folie dienen wird.
Thema des zweiten Teils wird das unvollendet gebliebene Spätwerk Bouvard et Pécuchet sein, eine fast enzyklopädisch anmutender Streifzug durch die damalige Ordnung des Wissens, die eigenartig zerrüttet wird. Besonders klar profiliert sich Flauberts Stil, der nichts Eigenes hat, um zum eigentlichen Stil der Moderne zu werden, an diesem letzten Werk.
Das Seminar gliedert sich in zwei Teile, die für den Erwerb eines Scheins Pflicht sind, sonst aber auch selbstverständlich einzeln besucht werden können. Scheinanforderungen wie üblich.
Flaubert
Gemeinsam mit Jonathan Culler,
Termin und Raum werden noch bekannt gegeben.
"Where we expect the real, we get more veal". Mit diesem Wortwitz hat Jonathan Culler der Definition des Flaubertschen Realismus einen neuen Dreh gegeben; nicht mehr die Darstellung von Realität, sondern die Bewegungen des Signifikanten stehen seitdem im Mittelpunkt der Flaubertlektüren. Diese sollen im Seminar neu durchdacht und mit neueren Ansätzen der Flaubertforschung, wie sie am Flaubert-Zentrum München entwickelt werden, in Verbindung gebracht werden.
Das Hauptseminar besteht aus einem im Februar stattfindenden Kompaktseminar mit Jonathan Culler und Barbara Vinken und einer Journée d'Étude mit internationalen Flaubertspezialisten. Die dort behandelten Texte und die Referate für das Kompaktseminar werden im Vorfeld abgesprochen. Die passive Beherrschung des Französischen ist Voraussetzung für die Teilnahme. Ein Hauptseminarschein kann durch das Abfassen einer schriftlichen Hausarbeit zu einem der behandelten Texte erworben werden. Teilnahme nach persönlicher Rücksprache oder auf Einladung.
Triebschicksale. Medea, Don Giovanni, Casanova
Do 13-16h, LMU, Ludwigstr. 28/Rü, R. 026.
Medea, Don Giovanni oder Don Juan und Casanova sind fast mythische Figuren, die in unserer Tradition für ein in ganz verschiedener Hinsicht maßloses Lieben stehen. Medea mordet ihre Kinder aus verratener Liebe; es erscheint ihr als das effektivste Mittel, sich an ihrem Mann zu rächen. Don Juan ging es um „ la giovane principante.“ (Da Ponte). Wie die Eroberer, die nie betretenes Land zum ersten Mal berühren wollen, jagte er die Jungfrauen und überhaupt Frauen, die schwer zu haben sind, weil sie Gott oder andern Männern gehören. Sorgfältig führt er Buch: „e in Spagna, son mill e tre.“ Ein homme à hommes? Casanova war Fußfetischist. Daran reizte ihn die leichte Zugänglichkeit des Vergnügens, die allen vor Augen steht, die aber die meisten gar nicht zu genießen wüßten. Casanova, der mit Gott und der Welt schlief ohne dabei je erfüllt zu sein, interessierte sich nicht wirklich für Männer, sondern war hommes à femmes: ein Mann, der den Frauen gehörte, weil ihn keine zu fesseln vermochte. Das Seminar geht diesen, dank der Literatur analysierbar gewordenen Triebschicksalen nach.
Texte:
Freud, Fetischismus. Lacan, Encore (in Auszügen). Euripides, Medea. Seneca, Medea. Pasolini, Medea. Mozart/Da Ponte, Don Giovanni. Molière, Don Juan. Laclos, Les liaisons dangereuses. Casanova, Histoire de ma vie (in Auszügen).
Dekadenz in Italien und Frankreich
Vinken/Regn
Termin: 15.-19. September 2008, Venice International University
Das Seminar untersucht am Beispiel von Erzähltexten d’Annunzios, Huysmans und Zolas das Phänomen des fin de siècle und der dekadenten Literatur.
Während bei d’Annunzio (vergleichbar mit den Vorgaben, die Huysmans in A rebours bereit gestellt hat) ein Ekel vor den Niederungen zeitgenössischer Alltäglichkeit vorherrscht, der im Gegenzug die Stilisierung des Lebens zum Gesamtkunstwerk hervortreibt und eine bis ins Paradox vorangetriebene Ästhetisierung erzeugt, präsentiert sich der späte Zola als entschiedener Gegner einer solchen décadence. Diese leuchtet vornehmlich als Negativfolie auf, vor der sich Zolas imaginärer Sozialdarwinismus profiliert. Während das fin de siècle sich einer moralfreien, ganz individualistischen Unfruchtbarkeitsästhetik widmet, die sich einzig dem piacere verpflichtet weiß, stellt Zola dagegen eine neue Moral der Fruchtbarkeit, die mit den Segnungen des französischen Imperiums eine ‚gesunde Rasse’ über den Erdball verbreiten möchte.
Folgende Texte sind Gegenstand des Seminars: D’Annunzio: Il piacere, Il fuoco; Huysmans: A rebours; Zola: Fécondité (Les quatres evangiles).
Die Veranstaltung findet statt als Kompaktseminar an der V.I.U. (Venice International University) in Venedig, vom 15.9.-19.9.2008. Eine Vorbesprechung (Raum wird noch bekanntgegeben) findet statt am: Montag, den 5. Mai, um 12 Uhr.
Anmeldungen Italianistik: angela.oster@lrz.uni-muenchen.de
Anmeldungen Französistik: sekretariat.vinken@romanistik.uni-muenchen.de
Franko-maghrebinische Literatur
Mo, 14-17h , LMU, Sommersemester 2007.
Bevor wir uns der Lektüre einzelner Romane widmen, werden drei Basistexte des Postkolonialismus untersucht werden, die mittlerweile auch für den anglo-amerikanischen Kanon grundlegend geworden sind: Frantz Fanons Peau noire, masques blancs, Edouard Glissants Le Discours antillais und die Poetiken der Vielheit und Jacques Derrida Le monolinguisme de l’autre .
Die Romane sind Grundtexte der franko-maghrebinischen Literatur, die zwei Momente in den Vordergrund stellen: 1. der Schulroman, der nicht eigentlich ein Bildungsroman ist. Der Schulroman konnte diese zentrale Stellung erreichen, weil die Schule nach der Doktrin der laїcité der Ort der Integration ist, an der jedes Kind in einer zweiten Geburt zum französischen Bürger wird. Seine Ambivalenz und sein progressives Scheitern stehen in den Romanen Albert Memmis, La statue de sel, Azouz Begag, Le gone du chaâba, Medhi Charef, Le thé au harem d’Archimède im Mittelpunkt 2. das Geschlechterverhältnis, das anhand von Assia Djebars, Femmes d’Alger dans leur appartement und Rachid Boudjedra, La répudiation beleuchtet werden soll.
Illusions perdues und Flauberts Éducation sentimentale
Sommersemester 2005.
Montaigne
(mit Prof. Dr. Thomas Ricklin)
Di, 14-17h, LMU, Sommersemester 2007.
Montaigne:
Freund, Politiker, Autor in einer von Religionskriegen erschütterten Zeit.
Anhand der eingehenden Lektüre einiger ausgewählter Kapitel zur Liebe, Freundschaft, zur Geschlechterdifferenz, zum Sterben und zu den Alten aus den Essais werden wir den Spuren einer Archäologie des modernen Subjekts nachgehen. Die Beziehung zwischen der antiken Literatur und dem "livre, maçonné de leurs dépouilles", wie Montaigne selber sagte, wird dabei im Vordergrund stehen. Um Montaignes Leistung in seinem historischen Umfeld besser einschätzen zu können, soll auf wesentliche Rezeptionsstufen der Essais eingegangen werden. So hat Nicole 1666 in einem Kapitel der Logique de Port-Royal die Essais angegriffen und auch der Jansenist Malebranche ist im zweiten Buch der Recherche de la Vérité von 1674 nicht eben sanft mit Montaigne umgegangen. Grundlage des Seminars sind Hugo Friedrichs Montaigne-Buch (1947) und Jean Starobinskis Montaigne en mouvement (1982).
Von der Interpretation: Theorie und Methode
(mit Prof. Dr. Klaus Benesch)
Mi, 9-13h (14-tägig), LMU, Sommersemester 2007.
Basisseminar des Promotionsstudienganges Literaturwissenschaft
Das Seminar wird einige Grundlagentexte moderner Textinterpretation in den Vordergrund stellen, die grob als romantisches, psychoanalytisches und soziologisches Paradigma beschrieben werden können: Hegel und Emerson, Freud und Shoshana Felman, Bourdieu und William Paulson. Daran anschließend soll den Promovenden Gelegenheit gegeben werden, anhand konkreter Beispiele ihre eigene Praxis des Interpretierens zu zeigen.
Dantes Göttliche Komödie - eine religiöse Kosmologie in Versen?
(mit Prof. Dr. Rémi Brague), LMU, Wintersemester 2006/07.
Das Religiöse und das Säkulare
(mit Prof. Dr. Clemens Pornschlegel), LMU, Wintersemester 2006/07.
Manzoni, I promessi sposi
LMU, Sommersemester 2006.
Renouveau catholique
LMU, Sommersemester 2006.
Gründungsmythen - Ursprungsgeschichten
(mit Prof. Dr. Inka Mülder-Bach), LMU, Sommersemester 2005.
Flaubert und die Antike
Wintersemester 2004/05.
Orientalismus
(mit Prof. Dr. Hendrik Birus), Wintersemester 2004/05.
Doktorandenkolloquium
Do 16-18h, zweiwöchentlich, LMU Ludwigstr. 25, R. 401.
Das Kolloquium ist für Promovierende und Habilitierende der Romanistik und Italianistik geeignet und dient der Diskussion methodischer und theoretischer Forschungsentwicklungen sowie eigener Forschungsarbeiten. Im Mittelpunkt stehen in diesem Semester Arbeiten rund um Flaubert. Teilnahme erfolgt auf Einladung.
Doktoranden- und Forschungskolloquium
Do 17-19h, LMU, Ludwigstr. 25, R. 401.
Das Kolloquium ist für Promovierende und Habilitierende der Romanistik und Italianistik geeignet und dient der Diskussion methodischer und theoretischer Forschungsentwicklungen sowie eigener Forschungsarbeiten.
Beginn: siehe Aushang am Sekretariat (R. 402).
Doktorandenkolloquium
14-tägig, Do, 17-19 Uhr.
Das Kolloquium ist für Promovierende und Habilitierende der Romanistik und
Italianistik geeignet und dient der Diskussion methodischer und
theoretischer Forschungsentwicklungen sowie eigener Forschungsarbeiten.
Termine: 17.04., 24.04., 08.05., 12.06., 26.06., 03.07.
Blut. Politisch-theologische Figurationen der abendländischen Translatio
Blockveranstaltung im Juni und Juli zusammen mit Herrn Professor Gianluca Solla
Im Blut unterscheidet die lateinische Sprache zwei deutlich getrennte Bedeutungen: auf der einen Seite wird sanguen (archaisch für sanguis) als Name für das vitale Prinzip verwendet: es handelt sich um das „feine Blut“, d.h. um das im Körper zirkulierende Blut, dessen Bewegung das Leben ermöglicht, mit dem es identisch ist. Auf der anderen Seite steht das cruor, ein dickes, geronnenes Blut, das aus einer Wunde herausgeströmt ist und das den Tod symbolisch versinnbildlicht als Unterbrechung der lebensnotwendigen Zirkulation. Hier wäre auch nach Geschlechtsspezifika des Blutes zu fragen. Welches Blut ist das Menstruationsblut?
In dieser doppelten Bedeutung zeigt das Blut seine eigentliche Wertigkeit als ein Zwischenelement, das sich in dem unentschiedenen Bereich zwischen Leben und Tod, zwischen Erzeugung und Stillstand, zwischen Wert und Verlust, situiert; als solches bildet es einen dritten Bereich zwischen derartigen Antithesen.
In diesem Oberseminar soll die Rolle des Blutes in den theologischen Sünden- und Heilsvorstellungen aufgezeigt und analysiert werden, insbesondere in seiner operativen Bedeutung für die Unterscheidung zwischen Christentum und Judentum. Dabei soll der Fokus auf den Implikationen des Blutes innerhalb des abendländischen politisch-theologischen Imaginären liegen. Im Zentrum des Seminars steht insofern die Frage, in welcher Weise dieses Imaginäre des Blutes die Institutionen wie diejenige der Filiation, der Erbschaft und des Wertes (auf der die Analogie zwischen Blut und Geld beruht) beeinflusst und strukturiert hat. Im Zuge der imitatio Christi kommt es zu einer uns heute ganz fremdartigen Sakralisierung der blutenden Frauen, die auf diese spezifische Weise an der Passio teilhaben.
Vor diesem Hintergrund sollen des weiteren literarische, was auch heißt: säkularisierte Formen des Nachlebens dieser Blut-Metaphorik analysiert werden, die im wesentlichen, auch innerhalb aller Formen von Sublimation und Konzeptualisierung, von der doppelten Natur des Blutes, das zugleich spirituell und verworfen, heilig und verdammt, himmlisch und irdisch, spirituell und materiell ist, gezeichnet bleibt.
Mode und Moderne
Die Beziehung zwischen Mode und Moderne scheint bereits durch die Etymologie des Wortes garantiert. Bei näherer Betrachtung erweist sich dieser Zusammenhang jedoch als nicht so simpel. Mode entpuppt sich als das Andere der Moderne.
Die Ambivalenzen im Verhältnis von Mode und Moderne bringt der Modediskurs ans Tageslicht. Er ist seltsam gespalten: denn es gibt Mode und Mode. Die proklamierte Unisexmode stellt sich dabei eher als Wunschdenken, denn als Realität heraus. Herrenmode ist nicht eigentlich modisch. Der schmucklose, vollkommen funktionale Anzug in seinem - man ist versucht zu sagen – jahrhundertelangen Erfolgszug um den Globus ist klassisch. Sein unglaublicher Erfolg beruht darauf, dass er das ideale, moderne Kleidungsstück ist: schön, weil funktional. Damenmode hingegen tut es der Feudalmode nach: im Gegensatz zur Herrenmode betont sie die erotischen Vorzüge des weiblichen Körpers. Außerdem huldigt sie dem Ornament. Die „Neue Frau“ wird nie ganz geboren; mit schlimmsten Rückfällen muss ständig gerechnet werden. Die Realität der Moderne zeigt sich vielleicht nirgends so unverhüllt wie in der Mode.
Texte von Jean Jacques Rousseau, Barbey d’Aurevilly, Charles Baudelaire, Heinrich Heine, Georg Simmel, René König, Alfred Loos, Roland Barthes, Anne Holländer, Richard Sennett, Pierre Bourdieu, Max Behrboom.
Die Liebe in Europa II
Mi 10-12h, LMU, Schellingstraße 3, S 004
Die europäische Tradition hat ein Schreiben über die Liebe ausgebildet, in dem das Ich sich im erlittenen Verlust an einen andern am intensivsten erfährt. Dieses Schreiben des Mangels steht gegen die von Egopsychologie und Durchökonomisierung bestimmten heutigen Diskurse, in denen die Liebe pragmatisch als Partnerschaft rational und erfolgreich managebar angepriesen wird. Ein Buchcover mit einem Herzen, auf dem ein Pflaster klebt, verspricht gar, uns durch eine vernünftige Therapie vom Übel schmerzhafter Liebeswunden endgültig zu befreien: bald kein Herzschmerz mehr. Eher als von Selbstbestätigung des Ichs durch die Liebe soll der Mangel und die Selbstentfremdung durch die Passio im Mittelpunkt der Vorlesung stehen. Im Wintersemester standen die den europäischen leidenschaftlichen Diskurs prägenden Beispiele von Sappho bis Petrarca im Zentrum. Boccaccios Fiametta, die eitel die schmerzvollste aller Liebenden sein will, Romeo und Julia, die nicht die Nachtigall, sondern die Lerche hörten, Don Giovanni und Casanova, Buchhalter und Fußfetischisten, Richardsons Clarissa, die sich doch als petrarkistischer Engel und als keuscheste aller Frauen entpuppt, Rousseaus Neue Héloise, die die Liebe der alten verbessern soll, die Marquise de Merteuil, Valmont und deren gefährliche Liebschaften, die sich selbst in den Ruin und die Dritte in die Umnachtung treiben, Werther, der sich erschießt, werden uns um Sommersemester beschäftigen.
Die Liebe in Europa
Mi 10-12h, LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, M 110.
Die europäische Tradition hat ein Schreiben über die Liebe ausgebildet, in dem das Ich sich im erlittenen Verlust an einen andern am intensivsten erfährt. Dieses Schreiben des Mangels steht gegen die von Egopsychologie und Durchökonomisierung bestimmten heutigen Diskurse, in denen die Liebe pragmatisch als Partnerschaft rational und erfolgreich managebar angepriesen wird: ein Buchcover mit einem Herzen, auf dem ein Pflaster klebt, verspricht gar, uns durch eine vernünftige Therapie vom Übel schmerzhafter Liebeswunden endgültig zu befreien: bald kein Herzschmerz mehr. Eher als von Selbstbestätigung des Ichs durch die Liebe soll der Mangel und die Selbstentfremdung durch die Passio im Mittelpunkt der Vorlesung stehen.
Die den europäischen Liebesdiskurs prägenden Beispiele, wie er sich seit der Antike herausgebildet hat, sollen herausgearbeitet werden: die seufzende Sappho, der bedürftige Eros im Gastmahl Platons, die tragische Liebe der Dido, Catull, der stärker begehrt, wenn er weniger liebt, Héloise, die lieber die Hure des Abélard sein wollte denn als Gattin des Augustus Herrscherin über die Welt, der fatale Ehebruch von Tristan und Isolde, Dantes Francesca und Paolo, die in der Hölle vom Wind der Leidenschaften getrieben werden, Petrarca, der der Liebe eisiges Feuer erfand, Romeo und Julia, die nicht die Nachtigall, sondern die Lerche hörten, Don Giovanni und Casanova, Buchhalter und Fußfetischisten.
Der europäische Briefroman des 18. Jahrhunderts
(mit wissenschaftlicher Übung), LMU, Wintersemster 2006/07
Flaubert: Religion und Literatur
LMU, Sommersemester 2006.
Realismus
LMU, Sommersemester 2005.
Die frankophone Literatur des Maghreb
(mit wissenschaftlicher Übung), Wintersemester 2004/05.
Die Liebe in Europa
Do 11-12h, LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, M 110.
Wissenschaftliche Übung zur gleichnamigen Vorlesung.
