• Wintersemester 2016/17 - Vorlesung

    Bürgerkrieg (Lucan, Vergil, Augustinus, Kleist, Flaubert, Hugo)

     

    Bürgerkrieg – Für eine Stasiologie

    Die Vorlesung untersucht das Motiv des Bürgerkrieges an einigen zentralen Texten. Dabei steht nicht das historische Ereignis der römischen Bürgerkriege, die die Republik beendeten und ins Kaiserreich einmündeten, im Vordergrund. Vielmehr soll eine Tropologie des Bürgerkrieges herausgearbeitet werden.  Diese Tropologie erzählt den Bürgerkrieg in den Metaphern von Selbstmord, Inzest, Vergewaltigung, Bruder-, Vater- und Muttermord. Das römische Konzept des "Bürgerkrieges", bellum civile, der eine tabuisierte Gewalt in der Familie zwischen den Geschlechtern und den Generationen in die juristisch-politische Kategorie von männlichem "Bürger" und "Krieg" überführt, wird von der Tropologie des Bürgerkrieges unterlaufen. Das politisch-historische Konzept verdeckt, was die Literatur in ihren Tropen aufdeckt: die tabuisierte, alle Grenzen überschreitende Gewalt gegen das Eigene, die Spaltung im Eigenen. Die Figur dieser Verdeckung ist neben dem römischen Konzept "Bürgerkrieg" die Konstituierung des verworfenen Anderen. Weil der Krieg im Eigenen und gegen das eigene unerträglich ist, führt er zur Konstitution des Ganz Anderen: eines so weibischen wie tyrannischen Orients.

    Diese Tropologie wird von Vergil in den Georgica und der Aeneis nach dem historischen Ereignis der Bürgerkriege entwickelt und findet in Lucan in der erhitzten Rhetorik der Imperiums unter Nero ihren ersten Höhepunkt. Bereits bei Vergil sind Brudermord und Vergewaltigung für Rom grundlegend. Augustinus universalisiert diese Tropologie und macht den Bürgerkrieg, jetzt verstanden als Zerreißen aller Bande – der zwischen Göttern und Menschen, der zwischen den Menschen, den Geschlechtern, den Generationen, der noch das Ich gegen sich selbst aufbringt - ,  zur unhintergehbaren Grundlage aller irdischen Politik. Die translatio romae entpuppt sich als translatio babylonis.

    Die Erzählung der Geschichte in der Literatur des 19., 20., und 21. Jahrhundert wird grundiert vom basso continuo dieser translatio romae; sie begründet die romanitas der westlichen Literatur. Dies soll an ausgewählten Beispielen - Houllebecq, Simon, Hugo, Flaubert, Kleist - gezeigt werden.

  • Sommersemester 2015 - Vorlesung

    Mode und Moderne

     

    Die enge Beziehung zwischen Mode und Moderne scheint schon durch die Etymologie garantiert. Dennoch gibt es in dieser Beziehung einen blinden Fleck. Die Mode - das Andere der Moderne? Eine orientalische Kolonie im Herzen des Westens?

    Der moderne Diskurs über die Mode zeugt von Ambivalenzen und Paradoxien. Er ist von vornherein seltsam gespalten: es gibt Mode und Mode. Genau genommen ist die Männermode nicht wirklich modisch. Der rein funktionale Anzug ohne Schnickschnack ist seit jetzt schon fast zweihundert Jahren ein globaler Klassiker. Seinen atemberaubenden Erfolg verdankt er einer Schönheit, die ganz im Funktionalen aufgeht. Die Damenmode ist hingegen anachronistischer Überhang der als weibisch gebrandmarkten, aristokratischen Mode: frivole Rüsche, dysfunktionales Ornament. Ein gräßliches Kapitel in der Kulturgeschichte, wie Adolf Loos meinte. Dringend muss sie reformiert werden.Aber die neue Frau erlebt immer wieder Rückschläge. Während Chanel die garconne durch Übertragung der Männerkleidung in Frauenkleidung aus der Taufe hob, war Diors New Look ein herber Rückschlag und eine Ohrfeige für das Dogma aller modernen Ästhetik "form follows function".

    Die Mode, ein Seismograph, wie Walter Benjamin einmal anmerkte, der anzeigt, in welche Richtung sich Gesellschaften entwickeln. Eine Lektüre der Diskurse über die Mode soll eine Standortbestimmung ermöglichen. Sind wir noch im 19. Jahrhundert? Oder alles Unisex?

  • Sommersemester 2015 - Hauptseminar

    Poetologien der Liebe in Literatur und Film

    zusammen mit Annette Keck

    "It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife." Mit diesem Satz beginnt Jane Austens berühmter Roman Pride and Prejudice und zahlreiche Adaptationen belegen, dass dieser marriage plot bis heute nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat. Das Seminar wird mit Jane Austens Pride and Prejudice, Gustave Flauberts Madame Bovary und Theodor Fontanes Effi Briest drei Romane des 19. Jahrhunderts in den Blick nehmen, die das Erzählen der Liebe und der Sitten in den Mittelpunkt stellen. Dass und wie diese Erzählungen im 20. Jahrhundert auf der Leinwand wiederkehren, welche signifikanten Wendungen das filmische Erzählen der Liebe nimmt und welchen Status der Literatur dabei zugeschrieben wird, ist eine weitere Frage des Seminars.

  • Sommersemester 2014 - Hauptseminar

    In/Diskretion: Subjektive Öffentlichkeitsarbeit in Brief, Postkarte, Email, Blog

    zusammen mit Annette Keck

    Dank Twitter und Facebook leben heute viele coram publico. Einem deutlich nicht mehr intimen Freundeskreis teilt man seine Vorlieben bei der Wahl einer Handtasche mit. Einer privaten Öffentlichkeit führt man seine neuen Lieben beim Planschen im Pool vor. Diese Daten kann man auch nach langer Zeit noch einsehen. Besonders diskret scheint auch die archaischere email nicht zu sein; wird ihr doch gemeinhin die Geheimhaltefähigkeit einer Postkarte attestiert.

    Neuerdings gibt es nun Apps, die den Kunden damit locken, dass sie sich nach kürzester Zeit selbst löschen. Diskretion scheint wieder ein Wert geworden zu sein; das mag auch mit den Abhörskandalen der amerikanischen Geheimdienste zusammenhängen. Andererseits wird gerade in der Affaire François Hollande ein Tabu gebrochen: das Privatleben des Präsidenten, das zwar halb Paris kannte, das aber nie ins grelle Licht der Medien geriet,  wird jetzt öffentlich ausgebreitet.

    Wer was lesen und sehen darf, was für welchen Empfänger bestimmt ist und was daraus folgt, wenn Botschaften an den falschen gelangen, ist eine Frage, die die Literatur schon lange beschäftigt. Die Reihe der Heldinnen, die durch ihre Briefe ruiniert werden, ist Legion. Vielleicht sind In/Diskretionen sogar das eigentliche Thema der meisten literarischen Werke.

    Das Seminar wird die Grundlage der In/Diskretionen, die (meist) ‚schriftliche Arbeit am Selbst‘, in den Blick nehmen, vom 18. Jahrhundert ausgehen und im 21. Jahrhundert mit Gossip Girl enden. Dabei werden verschiedene Textsorten wie Brief, Tagebuch, Postkarte, Email und Blog in ihren narrativen Funktionalisierungen zu analysieren sein.

    Die folgenden Texte/TV-Serien werden besprochen: Choderlos de Laclos, Les Liaisons dangereuses, Gottfried Keller, Die missbrauchten Liebesbriefe, Edgar Allan Poe, The Purloined Letter, Jacques Lacan, Das Seminar über E.A. Poes Der entwendete Brief, Else Lasker-Schüler, Mein Herz, Gossip-Girl. TV-Serie, Pilotfolge: Gossip Girl.

  • Sommersemester 2014 - Hauptseminar

    Die Französische Revolution und die Zeit der Terreur in Literatur, Geschichtsschreibung und bildender Kunst

    zusammen mit Christine Tauber

    Das Seminar untersucht die historistische Revolutionsverarbeitung im 19. Jahrhundert anhand von Schlüsseltexten (Maximilien Robespierre, Reden, Jules Michelet, Histoire de la Révolution, Victor Hugo, Quatrevingttreize, Honoré de Balzac, Les Chouans) und Schlüsselwerken der Bildenden Kunst (v.a. von Jacques-Louis David, Anne-Louis Girodet-Trioson, Théodore Géricault, Eugène Delacroix). Wie wird ein historisches Ereignis, das einen kategorialen Neubeginn der Geschichte markierte, und seine Perversion in der Diktatur der Terreur von den Nachgeborenen künstlerisch und politisch verarbeitet? Finden sich Spuren einer Wiederkehr der verdrängten republikanischen Ideale oder wurden diese schlicht von den neuen politischen Systemen (dem napoleonischen Kaiserreich, der bourbonischen Restauration, einer neuen Republik, die an ihre alten Ideale kaum noch erinnert werden mochte) abgelöst?

  • Wintersemester 2013/14 - Masterseminar

    Wahrnehmung in Bewegung

    zusammen mit Hans-Jörg Rheinberger und Michael Zimmermann

    Die Wahrnehmung steht nicht still. Sie ist nicht nur ein zeitlicher Prozess, sondern eine kognitive Aktivität. Der ganze Körper ist an ihr beteiligt. Als biologischen Prozess und als eingebunden in das erkennende und gestaltende Leben hat das 19. Jahrhundert die Wahrnehmung auf mancherlei Wegen untersucht. Da ist zunächst die naturwissenschaftliche Seite: hier geht es um die biologische Erforschung von Mensch und Tier, ihrer neurophysiologischen, psychologischen und sozialen Konstitution, ihrer Evolution. Im Zusammenhang damit betrachten wir Poesie und Kunst. Dichter und Maler suchten neue Wege, in den Strom des Lebens einzutauchen und ihn dabei zugleich begreiflich zu machen. Historische Epistemologie und künstlerische Poetologien des Lebens sollen in diesem interdisziplinär ausgerichteten Seminar zusammengeführt werden.

    In einem ersten, von Hans-Jörg Rheinberger betreuten Teil des Seminars soll es darum gehen, wie sich mit der Entwicklung der Wissenschaften über das 19. Jahrhundert hinweg die Regime der Beobachtung selbst verändern und wie die Bewegung selbst zu einem Gegenstand der Beobachtung wird. Die Sinne verlieren ihre Transparenz, die Bewegung verliert ihre Selbstverständlichkeit – beide werden zum Problem. Das soll an einer Reihe von Fallstudien aufgezeigt werden.

    Ein zweiter Schwerpunkt des Seminars, der von Barbara Vinken geleitet wird, liegt auf der französischen Dichtung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Reflexion über Zeit und Zeitlichkeit spielt in ihr eine entscheidende Rolle. Gegenwart und ideale Ewigkeit geraten in ein neues Verhältnis. Anhand von einzelnen Gedichtinterpretationen sollen diese neuen, bis heute bestimmenden Zeitstrukturen der Moderne – auch vor dem Hintergrund der barocken Vanitas – analysiert werden.

    Ein dritter Aspekt schließlich ist die bildende Kunst des ausgehenden 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. Bilder können zeigen, dass der Fluss des Sehens ebenso wenig aufzuhalten ist wie die Evolution. Doch zugleich sieht sich der Künstler gezwungen, die Empfindungen im Bild stillzustellen, um seine Wahrnehmungen dingfest zu machen und sie den Zeitgenossen mitteilen zu können. Aus dem Oeuvre der Künstler Odilon Redon, Robert Delaunay und Marcel Duchamp werden Beispiele ausgewählt, die unterschiedliche Positionen zu dieser Problemlage markieren.

  • Wintersemester 2013/14 - Oberseminar

    Literatur und Psychoanalyse

    zusammen mit Susanne Lüdemann

    Wenn Freud am Rande einer seiner frühesten Fallgeschichten dem Leser gesteht, es berühre ihn bisweilen eigentümlich, dass seine Krankengeschichten sich wie Novellen läsen „und daß sie sozusagen des ernsten Gepräges der Wissenschaftlichkeit entbehr[t]en“ (Studien über Hysterie), dann ist damit auf eine Komplizität von Psychoanalyse und Literatur verwiesen, die in deren beider Umgang mit der Sprache wurzelt. „Ich muss mich damit trösten“, fährt Freud an der zitierten Stelle fort, „daß für dieses Ergebnis die Natur des Gegenstandes offenbar eher verantwortlich zu machen ist als meine Vorliebe: Lokaldiagnose und elektrische Reaktionen kommen bei dem Studium der Hysterie eben nicht zur Geltung, während eine eingehende Darstellung der seelischen Vorgänge, wie man sie vom Dichter zu erhalten gewohnt ist, mir gestattet, Einsicht in den Hergang einer Hysterie zu gewinnen.“ Epistemologisch kann man aus solcher Einsicht die „narrativen Strukturen“ der Psychoanalyse ableiten (Roy Schafer / Susanne Lüdemann) oder ihr „psychodramatisches Substrat“ (Peter von Matt). Und wenn Freud wieder und wieder die Dichter als Zeugen seiner Erkenntnisse anruft und ihnen ein „endopsychisches Wissen“ um jene unbewussten Seelenvorgänge zuschreibt, die auch die Psychoanalyse beschäftigen, dann muss einen das weiter nicht erstaunen, wenn man bedenkt, dass die Psychoanalyse ihre wesentlichen Paradigmen (Ödipus-Komplex, Narzißmus, Sadismus, Masochismus) selbst aus der Literatur bezogen hat.

    Entsprechend dieser Einsicht soll es im Seminar nicht um psychoanalytische Literaturwissenschaft im engeren Sinn gehen, sondern um das Wechselverhältnis von Literatur, Psychoanalyse und Theorie im 20. Jahrhundert.

  • Wintersemester 2013/14 - Hauptseminar

    Astarte, Aphrodite, Venus

    Aphrodite bzw. Venus verkörpert in der Geschichte der Literatur und der Kunst alles andere als eine harmlose Liebesgöttin. Selten steht sie für eine glückliche Liebesbeziehung ein. Neben Schönheit und Erotik werden mit ihr Macht, Gewalt und Krieg assoziiert - so wird sie etwa im antiken Rom im Verbund mit Mars zu einer wichtigen Identifikationsfigur der Stadt. Die Transformationen der Göttin von der Antike über Spätatike, Mittelalter, Frühe Neuzeit bis in die Moderne zeigen Spuren der moralisierenden Dämonisierung (etwa bei den Kirchenvätern), der philosophischen Sublimierung sowie der Abgrenzung einer 'himmlischen' von einer 'vulgären' Venus (so bei Platon und in der Renaissance), aber auch der ästhetischen Reflexion (Venus als Paradigma für das Täuschungspotential von Bildern). Das republikanische Paris sieht in ihrer Verkörperung durch das Freudenmädchen Nana den Sieg des imperial orgiastischen Roms. Die katholische Kirche wird als schlichte translatio dieser Venuskulte gesehen, gegen die es eine reine Republik zu schützen gilt.

    Das Seminar will an ausgewählten Texten aus Antike und Moderne diesem Diskurs nachgehen und untersuchen, wie Aphrodite/Venus, die Figur des Weiblichen schlechthin, unter verschiedenen kulturellen Bedingungen transformiert, übersetzt und 'bearbeitet' wird.

  • Sommersemester 2013 - Hauptseminar

    Realismus und Allegorie: Madame Bovary, Effi Briest und Cézannes Äpfel

    zusammen mit Michael Zimmermann und Bettine Menke

    Madame Bovary, Effi Briest, aber auch die Äpfel Cézannes gehören zum Kanon des Realismus. Sie berühren uns, weil sie in all ihrer unscheinbaren Niedrigkeit unmittelbar aus der Lebenswirklichkeit gegriffen zu sein scheinen - Ehebrüche in der Provinz, Bücher über nichts, wie Flaubert sagte. Und dann auch noch Äpfel! Mit Hilfe von Auerbachs Interpretation des Realismus soll in den Texten, und vielleicht auch in den Äpfeln, gezeigt werden, dass dem, was uns unmittelbar einsichtig auf der Hand zu liegen scheint, eine kryptische Wahrheit eingeschrieben ist, die entziffert werden muss. Der Realismus bezieht sich vielleicht nicht so sehr auf eine referentielle Wirklichkeit; vielmehr geht es darum, unter Rückgriff auf die allegorische Auslegung der Bibel eine wahrere Wirklichkeit zu finden, als die, die wir mit bloßem Auge, schwarz auf weiß, erkennen können.

  • Wintersemester 2012/13

    SENIOR RESEARCHER IN RESIDENCE FELLOWSHIP AM CENTER FOR ADVANCED STUDIES MÜNCHEN 2012/2013

    Barbara Vinken wird die kommenden zwei Semester als Senior Researcher in Residence am Center for Advanced Studies der LMU München verbringen. In dieser Zeit wird sie an der LMU von Dr. Dr. Judith Kasper vertreten.

  • Wintersemester 2012/13 - Hauptseminar

    Objekt/Subjekt: Sehen – Verstehen – Begehren

    zusammen mit Prof. Fabienne Liptay, Prof. Aage Hansen-Löve, Prof. Michael Zimmermann und Prof. Hans-Jörg Rheinberger

    Die Veranstaltung hat eine wissenschaftshistorische Dimension (Rheinberger), eine film- und bildwissenschaftliche (Liptay, Zimmermann) und eine literaturwissen­schaftliche (Vinken, Hansen-Löve). Für den slavistischen Anteil wird es vor allem um den Begriffskomplex von Ding und Gegenstand gehen (so zunächst im historischen Realismus des 19. Jhs) und seine Negation bzw. Auflösung in Entgegenständlichung und Verdinglichung in den Avantgarden der 10er-30er Jahre.

  • Sommersemester 2012

    GASTPROFESSUREN AN DER NEW YORK UNIVERSITY UND AM CENTER FOR DISCIPLINARY INNOVATION (CDI)/ AN DER UNIVERSITY OF CHICAGO

    Im Sommersemester 2012 nimmt Frau Prof. Dr. Barbara Vinken ein Forschungsfreisemester an der LMU München, um zwei Gastprofessuren in den USA anzutreten. Sie gibt Kurse am German Department der New York University und am Center for Disciplinary Innovation (CDI) sowie am Department of Comparative Literature der University of Chicago. Dennoch wird Barbara Vinken zusätzlich Blockveranstaltungen an der LMU anbieten.

  • Sommersemester 2012 - Graduate Seminar

    Fashion and Modernity

    The relation between fashion and modernity has always been taken for granted. Indeed, it is guaranteed in the very etymology of the French and German words “mode” and “modernité” (Mode und Moderne). Yet, on closer inspection, there is a blind spot in this relation in that fashion seems rather to be the other of modernity. The modern discourse of fashion testifies to the ambivalences and paradoxes in this relation. From the beginning until now, it is strangely split: there is fashion and fashion. Properly speaking, men's fashion is not really fashionable. The perfectly functional suit without superfluous adornment is, in its world-wide constancy through the centuries, almost invariably classical. Its staggering universal success is due to the fact that it is the ideal modern dress: beautiful, because functional. Women's fashion, on the contrary, is a remnant of the old, effeminate aristocracy — a frivolous frill, an all-in-all dysfunctional ornament, badly in need of thorough modernization. The “new woman“ is born in agonizing pain and perpetual fallbacks: while Chanel almost lead us toward a functional feminine form, Dior's new look was a setback. It brought back the unhealthy, restrictive corset and offered a slap in the face to the modern aesthetic dogma of “form follows function”. Fashion therefore seems to be the locus of a strange intimation of the political set against the common politics of modernity. The course will center around this blind spot between fashion and modernity and the new gendering of fashion in the bourgeois, post-feudal era. Texts by Jean Jacques Rousseau, Barbey d'Aurevilly, Charles Baudelaire, Heinrich Heine, Georg Simmel, René König, Alfred Loos, Roland Barthes, Anne Hollander.

  • Sommersemester 2012 - Graduate Seminar

    Echoes of Antiquity: Translatio Romae

    Marx remarked in his 18 brumaire of Napoléon Bonaparte, History comes always back twice: first as tragedy, than as farce. Roughly up to the beginning of the 20th century Europe and the United States told and thought their History in terms of antique History that was a basso continuo to all political conflicts and imperial enterprises. Our focus will not be on Greek, but on Roman History. In the United States, as well as in France, Germany and Italy, political realities were spelled out in Roman terms. If most people agreed that History is nothing but a repetion of Roman History, it is very much a question if this is a blessing or a curse. And what Roman History comes back? Is the Roman Republic restored, are the civil wars coming back, or are people to live in an Empire sine fine? It is in literary texts that these questions are most subtly asked and answered. The most interesting and influential texts like Schiller, Kleist, Leopardi, Hugo, Baudelaire, Flaubert, and James will be submitted to a close reading in order to disclose their hidden Roman intertexts.

  • Sommersemester 2012 - Hauptseminar

    Civil Wars in European Literature from Lucan to Henry James

    Blockseminar im Juli zusammen mit Michèle Lowrie (Professorin am Department of Classics an der University of Chicago)

    Die römischen Bürgerkriege waren für die politische Konstitution des römischen Reiches zentral. Denn schließlich geht mit ihnen auch die Zeit der römischen Republik zu Ende und das Kaiserreich beginnt. Sie waren auch für die historisch-kosmische Situierung des römischen Reiches wichtig: war Rom ein ewiges, weltumspannendes Reich in Frieden bestimmt, das die Welt ordnet, oder bricht das Chaos immer wieder in diese schöne, kosmische Ordnung ein? Diese Fragen sollen an den beiden wichtigsten Texten zum Bürgerkrieg besprochen werden, nämlich an Caesar und Lucan.
    Die europäische Literatur setzt an diesen, entgegen gesetzten Interpretationen an. Wie ein basso continuo beziehen sich Historiker und Literaten oft implizit auf  die römischen Szenarien. Die französische Revolution und a fortiori der Terreur (Hugo), die deutschen Befreiungskriege (Kleist), die 48er Revolution (Flaubert) und natürlich, offensichtlicher, der amerikanische Krieg zwischen Nord- und Südstaaten wird als Bürgerkrieg gedeutet (Henry James, Walt Whitman).

    Texte des Hauptseminars: Caesar, De bellum civile, Lucan, De bellum civile, Hugo, Quatre-vingt-treize, Flaubert, L’éducation sentimentale, James, The Bostonians, Walt Whitman, Memoranda of the War.

  • Sommersemester 2012 - Oberseminar

    Blut. Politisch-theologische Figurationen der abendländischen Translatio

    Blockveranstaltung im Juni und Juli zusammen mit Herrn Professor Gianluca Solla
    Im Blut unterscheidet die lateinische Sprache zwei deutlich getrennte Bedeutungen: auf der einen Seite wird sanguen (archaisch für sanguis) als Name für das vitale Prinzip verwendet: es handelt sich um das „feine Blut“, d.h. um das im Körper zirkulierende Blut, dessen Bewegung das Leben ermöglicht, mit dem es identisch ist. Auf der anderen Seite steht das cruor, ein dickes, geronnenes Blut, das aus einer Wunde herausgeströmt ist und das den Tod symbolisch versinnbildlicht als Unterbrechung der lebensnotwendigen Zirkulation. Hier wäre auch nach Geschlechtsspezifika des Blutes zu fragen. Welches Blut ist das Menstruationsblut?

    In dieser doppelten Bedeutung zeigt das Blut seine eigentliche Wertigkeit als ein Zwischenelement, das sich in dem unentschiedenen Bereich zwischen Leben und Tod, zwischen Erzeugung und Stillstand, zwischen Wert und Verlust, situiert; als solches bildet es einen dritten Bereich zwischen derartigen Antithesen.

    In diesem Oberseminar soll die Rolle des Blutes in den theologischen Sünden- und Heilsvorstellungen aufgezeigt und analysiert werden, insbesondere in seiner operativen Bedeutung für die Unterscheidung zwischen Christentum und Judentum. Dabei soll der Fokus auf den Implikationen des Blutes innerhalb des abendländischen politisch-theologischen Imaginären liegen. Im Zentrum des Seminars steht insofern die Frage, in welcher Weise dieses Imaginäre des Blutes die Institutionen wie diejenige der Filiation, der Erbschaft und des Wertes (auf der die Analogie zwischen Blut und Geld beruht) beeinflusst und strukturiert hat. Im Zuge der imitatio Christi kommt es zu einer uns heute ganz fremdartigen Sakralisierung der blutenden Frauen, die auf diese spezifische Weise an der Passio teilhaben.

    Vor diesem Hintergrund sollen des weiteren literarische, was auch heißt: säkularisierte Formen des Nachlebens dieser Blut-Metaphorik analysiert werden, die im wesentlichen, auch innerhalb aller Formen von Sublimation und Konzeptualisierung, von der doppelten Natur des Blutes, das zugleich spirituell und verworfen, heilig und verdammt, himmlisch und irdisch, spirituell und materiell ist, gezeichnet bleibt.

  • Wintersemester 2011/12 - Hauptseminar

    Flaubert: Realismus/Orientalismus

    Kompaktseminar zusammen mit Herrn Professor Michael Fried, Frau Professor Anne Deneys-Tunney und Frau Gesine Hindemith (Co-teaching), bestehend aus zwei Kompaktseminareinheiten (mit Vortrag) und einem Lektürekurs

     

    1. Teil: Stylistic Regimes in Madame Bovary and Salammbô

    Gustave Flaubert’s practice of (what he called) „le gueuloir“ involved his reading his prose out loud more or less as he wrote it in order to eliminate assonances, consonances, repetitions of all kinds. The aim was a new sort of stylistic perfection, comparable to that of poetry but in the medium of prose. And yet Madame Bovary is full of repetitions of various kinds that indicate a counter-tendency toward habit and automatism that students of the writer have never fully taken into account. In this seminar we will look closely at a number of passages that reveal that tendency in its various manifestations. Furthermore, if there is time, we will extend our investigation to the novel he wrote immediately afterward, the extraordinary Salammbô, which I will try to show is governed by a very different stylistic regime.

    Teil des ersten Seminarteils ist auch ein öffentlicher Vortrag von Michael Fried (Johns Hopkins University, Baltimore) : „Flaubert and Courbet“
    Do, 17.11.2011, 18.00 Uhr (Ort wird noch bekannt gegeben)

     

    2. Teil: L’ Orient Textuel: Volney en Syrie et en Egypte

    Redigé à Paris en 1785, à son retour d'orient, le Voyage en Egypte et en Syrie de Volney ouvre ce que l'on a coutume d'appeler " "L'Orientalisme" en France et en Europe, soit une véritable mode et passion politique, esthétique et culturelle pour l'Orient. Seule une lecture directe et complète de ce texte qui aura tant d'importance pour les auteurs des générations suivantes (de Chateaubriand à Flaubert pour ne citer que ces deux noms) peut révéler au lecteur l'importance d'une oeuvre dont nous sommes mieux à même aujourd'hui de mesurer la modernité. Dans sa composition bi partite, ce texte définit une nouvelle conception du voyage comme science, et celà, à partir d'une critique contre l'impressionisme et l'exotisme. L'idéal scientifique dont Volney s'inspire est celui défini par Linné et Réaumur, soit une recomposition des sociétés humaines à partir de leur ancrage naturel et matériel dans une géeographie spécifique. Volney, pour ce projet de voyage scientifique, va dresser avec soin une liste de problèmes géographiques, ethnologiques et sociologiques, chacun de ces problèmes nécessitant une attention particulière. Le projet de Volney étant celui d'une reconstitution complète, à la fois diachronique et synchronique, de la totalité orientale, à la fois dans ses climats, son histoire, son économie, sa géographie, ses peuples, ses coutumes, ses arts et ses religions. Ce projet philosophique va bien au delà de ce à quoi on a trop tendance à le réduire au jourd'hui - à savoir le projet impérialiste de la colonisation française qui ne se déroulera que plus tard, avec l'expédition de Napoléon en Egypte - Volney a une véritale ambition philosophique et éthique, qui invente un nouveau rapport de la modernité à l'antique et à l'orient. C'est dans ce rapport à l'histoire et à l'orient que les générations futures se penseront comme sujets historiques et culturels.

  • Wintersemester 2011/12 - Hauptseminar

    Eros: Triebe und ihre Schicksale

    zusammen mit Frau Professor Fabienne Liptay, Herrn Professor Aage Hansen-Löve und Herrn Professor Michael Zimmermann

    Was sind Triebe, Affekte, Emotionen? Wie verhält sich ihre Ökonomie zur älteren Ordnung der Empfindungen, Assoziationen und Leidenschaften? In welchen Zonen des Unbewussten wirken sie; wie schreiben sie sich dem Erleben und dem Erinnern ein? Welche Chancen hat ihnen gegenüber (noch) der freie Wille, das selbstbestimmte Subjekt? "Eros" ist ein Stichwort, das diese Fragen stets im Blick auf den Anderen perspektiviert.
    Angewiesen-Sein, Liebe, "posséder et détruire" (Régis Michel) sind Erfahrungen, in denen das Leben über alle Versuche triumphiert, es zu steuern und es zuzurichten - oder es in Literatur und Kunst zu kodieren.
    Die Epoche des späteren 19. Jahrhunderts wird ein Schwerpunkt des Seminars sein. Es ist die Zeit der Entstehung einer verwissenschaftlichten Psychologie - auf der Grundlage der physiologischen Erforschung des Nervensystems, aber auch von Darwins schonungsloser Darlegung des Geschlechterkampfs und seiner Bedeutung für die natürliche Zuchtwahl. Ein zweiter Schwerpunkt sind Kunst und Film der Gegenwart. Flaubert und Zola, Tolstoj und Manet werden zur Diskussion gestellt; zur Videokunst der Gegenwart werden Beispiele gezeigt, die ansonsten nur auf Ausstellungen zugänglich sind. Zwischen den kontrastierten Epochen werden auch Brücken gebaut: durch Blicke auf den "Triebfilm" der 1920er Jahre und auf Nabokov.
    Grundlage der Debatte sind gemeinsame Lektüren zum "Begehren" in der intellektuellen Debatte der Gegenwart.

  • Wintersemester 2011/12 - Hauptseminar

    Das Liebesgedicht von der Antike bis in die Gegenwart

    zusammen mit Jürgen Paul Schwindt (Professor für Klassische Philologie, Heidelberg)

    Das europäische Liebesgedicht  beginnt mit den nur fragmentarisch überlieferten Gedichten der Sappho. Als lateinische Liebeselegie zwischen Catull und Ovid hat die Gattung in der goldenen Latinitas ihre Blüte erreicht. In der europäischen Liebeselegie bleibt sie für Petrarca und Baudelaire, für Heine und Rilke prägend. Der Dialog zwischen Antiken und Modernen ist Gegenstand des Seminars.
    (Catull, Properz, Tibull, Ovid, Petrarca, Baudelaire, Heine, Rilke)

  • Sommersemester 2011 - Hauptseminar

    Zum Fressen? Das nackte Fleisch im 19. Jahrhundert (the nude/the naked, flesh/meat, la viande/la chair)

    zusammen mit Frau Professor Johanne Lamoureux

    Sowohl die Literatur als auch die Kunst war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom "Fleisch" besessen. Am Beispiel von Courbet, Flaubert, Manet, Zola, Caillebotte und Maupassant sollen die Erotisierung des Fleisches einerseits, seine Hinfälligkeit und Todesverfallenheit andererseits beleuchtet werden. Zentral für die Frage des "Fleisches" ist die des Verzehrs, des Konsums und damit der Ambivalenz zwischen tierischem und weiblichem Fleisch. Fleisch wird in der Wollust des Boudoirs, aber auch bei Tisch konsumiert, Fressen und Sex werden in dieser Metapher kurzgeschlossen. Oder es wird im ästhetischen Genuss - man möchte sagen - transsubstantiiert. Wie selten steht Pygmalion als Metapher für künstlerisches Schaffen im Raum: Leben lebendig zu schaffen, das Fleisch so darzustellen, als ob man das Blut pulsieren sieht. Literatur und Kunst streiten um dieses Vermögen.

  • Wintersemester 2010/11 - Hauptseminar

    Flaubert

    mit Herrn Professor Thomas Schestag und Herrn Professor Jacques Neefs

    1. Seminarteil mit B. Vinken, Th. Schestag: Proust und Flaubert

    Das Kompaktseminar, vom 4. - 6. Oktober, ist drei Aspekten im Werk Marcel Prousts gewidmet. Der erste Teil, im Zeichen des Lesens und der Übersetzung, setzt sich mit Prousts kommentierter Übersetzung von John Ruskins Vortrag Des trésors des Rois auseinander; außerdem mit dem Vorwort – Sur la lecture –, das Proust seiner Übersetzung in dem Band Sésame et les Lys vorangestellt hat. Der zweite Teil gilt Fragen nach dem Status des Autors und der Autorschaft, die ausgehend von einer Stelle der Recherche, im Zusammenhang mit Vermeers Gemälde Die Ansicht von Delft, diskutiert werden sollen. Der dritte Teil geht Prousts Auseinandersetzung mit der Frage des Namens und den Spuren nach, die diese Auseinandersetzung in Schriften Walter Benjamins gelassen hat.

    2. Seminarteil mit B. Vinken, J. Neefs: Flaubert: voir, croire, savoir, la pensée critique de la prose

    Le séminaire s’attachera à la fonction que Flaubert donne à la prose narrative comme exercice d’interrogation sur les croyances, sur l’opinion, sur les savoirs, et comme construction d’une beauté nouvelle, critique, ironique, et étrangement « mimétique », dégageant, au sein des discours et du tumulte des « positions », un rapport sensible au monde tout à fait singulier. Flaubert s’attache au pluriel des religions, dans les différentes versions de La Tentation de saint Antoine, dans Salammbô, dans Trois Contes, en particulier dans Hérodias, et à la précarité et aux contradictions des savoirs et des discours d’autorité dans ses romans « contemporains », Madame Bovary et L’Éducation sentimentale, mais plus particulièrement dans Bouvard et Pécuchet. Des rapprochements entre Bouvard et Pécuchet et  La Tentation de saint Antoine ont été proposés, en particulier par Michel Foucault. Nous reprendrons cette question, en considérant également d’autres textes de Flaubert : c’est la contraignante et dérisoire autorité de toute « représentation » reçue que la prose démontre et défait, en conquérant sa singulière autorité esthétique, celle d’un scepticisme véritable, et en ouvrant l’espace d’une « ontologie moderne ».

  • Sommersemester 2011 - Vorlesung

    Mode und Moderne

    Die Beziehung zwischen Mode und Moderne scheint bereits durch die Etymologie des Wortes garantiert. Bei näherer Betrachtung erweist sich dieser Zusammenhang jedoch als nicht so simpel. Mode entpuppt sich als das Andere der Moderne.

    Die Ambivalenzen im Verhältnis von Mode und Moderne bringt der Modediskurs ans Tageslicht. Er ist seltsam gespalten: denn es gibt Mode und Mode. Die proklamierte Unisexmode stellt sich dabei eher als Wunschdenken, denn als Realität heraus. Herrenmode ist nicht eigentlich modisch. Der schmucklose, vollkommen funktionale Anzug in seinem - man ist versucht zu sagen – jahrhundertelangen Erfolgszug um den Globus ist klassisch. Sein unglaublicher Erfolg beruht darauf, dass er das ideale, moderne Kleidungsstück ist: schön, weil funktional. Damenmode hingegen tut es der Feudalmode nach: im Gegensatz zur Herrenmode betont sie die erotischen Vorzüge des weiblichen Körpers. Außerdem huldigt sie dem Ornament. Die „Neue Frau“ wird nie ganz geboren; mit schlimmsten Rückfällen muss ständig gerechnet werden. Die Realität der Moderne zeigt sich vielleicht nirgends so unverhüllt wie in der Mode.

    Texte von Jean Jacques Rousseau, Barbey d’Aurevilly, Charles Baudelaire, Heinrich Heine, Georg Simmel, René König, Alfred Loos, Roland Barthes, Anne Holländer, Richard Sennett, Pierre Bourdieu, Max Behrboom.

  • Wintersemester 2010/11 - Hauptseminar

    "The Orient" in the French and English Novel of the late 19th century.

    zusammen mit Frau Professor Gabriele Brandstetter

    The Orient, as discovered in the Oriental Renaissance, became in the literature of the second half of the 19th century quickly a metaphor for the decadence of modernity and most prominently for an “abnormal”, “perverse” sexuality. This development became almost proverbial in Proust’s formula of an oriental colony the homosexuals would constitute wherever in the world they might be.

    In a first step, this seminar will set out to bring this oriental, often anti-semitic topology to the surface. In the French Novels, the oriental coding of the decadence of modernity remains usually implicit. To decode this implicit code, we will read Balzac, “Les illusions perdues”, Zola “L’ Argent” and “La Curée”, Maupassant “Bel-Ami” and Proust “Sodom et Gomorrhe”. George Eliot “Daniel Deronda” will then be read as a counter-discourse.

  • Sommersemester 2010

    FORSCHUNGSPROFESSUR

    Frau Prof. Dr. Barbara Vinken nimmt im Sommersemester 2010 eine Forschungsprofessur an der Freien Universität Berlin im Rahmen des Exzellenzclusters Languages of Emotion wahr und wird an der LMU von Dr. Edi Zollinger vertreten.

  • Wintersemester 2009/10 - Hauptseminar

    Realismus/Religion: Manet Flaubert

    14.-18. Dezember 2009, Venice International University (ViU)
    Um frühzeitige Anmeldung im Sekretariat wird gebeten: 2180-3531 oder sekretariat.vinken@romanistik.uni-muenchen.de.
    Ralph Ubl, Beate Söntgen, Barbara Vinken, Michael Zimmermann
    (veranstaltet in Kooperation mit dem Flaubertzentrum im Rahmen des bayrischen Elitestudienganges „Text und Bild“)

    Flaubert und Manet gelten in der Literatur und der Kunst als Väter der Moderne. In seltsamem Widerspruch zu diesem Befund steht beider Faszination mit religiösen Themen, die sich für Flaubert am offensichtlichsten in den Trois contes,, für Manet am klarsten in den beiden Passionsbildern (New York, Chicago) zeigt. Man hat lange versucht, diese Faszination „modern“ und das heißt im Sinne der Aufklärung als  „Demystifikation“ von Religion oder als  „Säkularisation“ zu interpretieren. Das Seminar wird der Frage nachgehen, wie dies mit dem trotz der Offensichtlichkeit der Gestelltheit oder Konstruiertheit von Bild und Text stark hervorgerufenen Mitleiden zusammenzubringen ist. Vielleicht ist das das Moderne an Manet und Flaubert: ein unglaubliches Pathos in der Durchkreuzung aller Pathosformeln hervorzurufen.

  • Wintersemester 2009/10 - Hauptseminar

    Antike Legenden und das 19. Jahrhundert/ Flaubert und die Epistemologien des Wissens

    LMU, 12-16 Oktober, Französische Bibliothek, IV. Stock, Ludwigstr. 25.

    Mit Susanna Elm, Hans Ulrich Gumbrecht, Barbara Vinken.

    Im ersten Teil des Seminars wird Susanna Elm (Berkeley), im zweiten Hans Ulrich Gumbrecht (Stanford)  Regie führen.

    Im Mittelpunkt steht zunächst Flauberts erste der Trois contes, dem letzen vollendeten und publizierten Werk.  Wichtigster Intertext des „Einfachen Herzens“ in Flauberts Trois contes ist  eine berühmte Heiligenlegende der Spätantike,  Perpetua und Felizitas. Die Intertextualität im Werk Flauberts soll anhand des „Cœur simple“ untersucht werden, wobei die Frage und Diskussion um die Bedeutung der Erzählung (Religionssatire oder moderne Heiligenvita?) als Folie dienen wird.

    Thema des zweiten Teils wird das unvollendet gebliebene Spätwerk Bouvard et Pécuchet sein, eine fast enzyklopädisch anmutender Streifzug durch die damalige Ordnung des Wissens, die eigenartig zerrüttet wird. Besonders klar profiliert sich Flauberts Stil, der nichts Eigenes hat, um zum eigentlichen Stil der Moderne zu werden, an diesem letzten Werk.

    Das Seminar gliedert sich in zwei Teile, die für den Erwerb eines Scheins Pflicht sind, sonst aber auch selbstverständlich einzeln besucht werden können. Scheinanforderungen wie üblich.

  • Wintersemester 2009/10

    Information:

    Frau Vinken nimmt im Wintersemster 2009/10 ein Forschungssemester im Rahmen des Flaubert-Zentrums wahr und wird von Dr. Edi Zollinger vertreten.

  • Sommersemester 2009 - Kolloquium

    Doktorandenkolloquium

    Do 16-18h, zweiwöchentlich, LMU Ludwigstr. 25, R. 401.

    Das Kolloquium ist für Promovierende und Habilitierende der Romanistik und Italianistik geeignet und dient der Diskussion methodischer und theoretischer Forschungsentwicklungen sowie eigener Forschungsarbeiten. Im Mittelpunkt stehen in diesem Semester Arbeiten rund um Flaubert. Teilnahme erfolgt auf Einladung.

  • Sommersemester 2009 - Vorlesung

    Die Liebe in Europa II

    Mi 10-12h, LMU, Schellingstraße 3, S 004

    Die europäische Tradition hat ein Schreiben über die Liebe ausgebildet, in dem das Ich sich im erlittenen Verlust an einen andern am intensivsten erfährt. Dieses Schreiben des Mangels steht gegen die von Egopsychologie und Durchökonomisierung bestimmten heutigen Diskurse, in denen die Liebe pragmatisch als Partnerschaft rational und erfolgreich managebar angepriesen wird. Ein Buchcover mit einem Herzen, auf dem ein Pflaster klebt, verspricht gar, uns durch eine vernünftige Therapie vom Übel schmerzhafter Liebeswunden endgültig zu befreien: bald kein Herzschmerz mehr. Eher als von Selbstbestätigung des Ichs durch die Liebe soll der Mangel und die Selbstentfremdung durch die Passio im Mittelpunkt der Vorlesung stehen. Im Wintersemester standen die den europäischen leidenschaftlichen Diskurs prägenden Beispiele von Sappho bis Petrarca im Zentrum. Boccaccios Fiametta, die eitel die schmerzvollste aller Liebenden sein will, Romeo und Julia, die nicht die Nachtigall, sondern die Lerche hörten, Don Giovanni und Casanova, Buchhalter und Fußfetischisten, Richardsons Clarissa, die sich doch als petrarkistischer Engel und als keuscheste aller Frauen entpuppt, Rousseaus Neue Héloise, die die Liebe der alten verbessern soll, die Marquise de Merteuil, Valmont und deren gefährliche Liebschaften, die sich selbst in den Ruin und die Dritte in die Umnachtung treiben,  Werther, der sich erschießt, werden uns um Sommersemester beschäftigen.

  • Wintersemester 2008/09 - Hauptseminar

    Flaubert

    Gemeinsam mit Jonathan Culler,

    Termin und Raum werden noch bekannt gegeben.

     

    "Where we expect the real, we get more veal". Mit diesem Wortwitz hat Jonathan Culler der Definition des Flaubertschen Realismus einen neuen Dreh gegeben; nicht mehr die Darstellung von Realität, sondern die Bewegungen des Signifikanten stehen seitdem im Mittelpunkt der Flaubertlektüren. Diese sollen im Seminar neu durchdacht und mit neueren Ansätzen der Flaubertforschung, wie sie am Flaubert-Zentrum München entwickelt werden, in Verbindung gebracht werden.
    Das Hauptseminar besteht aus einem im Februar stattfindenden Kompaktseminar mit Jonathan Culler und Barbara Vinken und einer Journée d'Étude mit internationalen Flaubertspezialisten. Die dort behandelten Texte und die Referate für das Kompaktseminar werden im Vorfeld abgesprochen. Die passive Beherrschung des Französischen ist Voraussetzung für die Teilnahme. Ein Hauptseminarschein kann durch das Abfassen einer schriftlichen Hausarbeit zu einem der behandelten Texte erworben werden. Teilnahme nach persönlicher Rücksprache oder auf Einladung.

  • Wintersemester 2008/09 - Kolloquium

    Doktoranden- und Forschungskolloquium

    Do 17-19h, LMU, Ludwigstr. 25, R. 401.

    Das Kolloquium ist für Promovierende und Habilitierende der Romanistik und Italianistik geeignet und dient der Diskussion methodischer und theoretischer Forschungsentwicklungen sowie eigener Forschungsarbeiten.
    Beginn: siehe Aushang am Sekretariat (R. 402).

  • Wintersemester 2008/09

    Die Liebe in Europa

    Do 11-12h, LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, M 110.

    Wissenschaftliche Übung zur gleichnamigen Vorlesung.

  • Wintersemester 2008/09 - Vorlesung

    Die Liebe in Europa

    Mi 10-12h, LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, M 110.

    Die europäische Tradition hat ein Schreiben über die Liebe ausgebildet, in dem das Ich sich im erlittenen Verlust an einen andern am intensivsten erfährt. Dieses Schreiben des Mangels steht gegen die  von Egopsychologie und Durchökonomisierung bestimmten heutigen Diskurse, in denen die Liebe pragmatisch als Partnerschaft rational und erfolgreich managebar angepriesen wird: ein Buchcover mit einem Herzen, auf dem ein Pflaster klebt, verspricht gar, uns durch eine vernünftige Therapie vom Übel schmerzhafter Liebeswunden endgültig zu befreien: bald kein Herzschmerz mehr. Eher als von Selbstbestätigung des Ichs durch die Liebe soll der Mangel und die Selbstentfremdung durch die Passio im Mittelpunkt der Vorlesung stehen.

    Die den europäischen Liebesdiskurs prägenden Beispiele, wie er sich seit der Antike herausgebildet hat, sollen herausgearbeitet werden: die seufzende Sappho, der bedürftige Eros im Gastmahl Platons, die tragische Liebe der Dido, Catull, der stärker begehrt, wenn er weniger liebt, Héloise, die lieber die Hure des Abélard sein wollte denn als Gattin des Augustus Herrscherin über die Welt, der fatale Ehebruch von Tristan und Isolde, Dantes Francesca und Paolo, die in der Hölle vom Wind der Leidenschaften getrieben werden, Petrarca, der der Liebe eisiges Feuer erfand, Romeo und Julia, die nicht die Nachtigall, sondern die Lerche hörten, Don Giovanni und Casanova, Buchhalter und Fußfetischisten.

  • Wintersemester 2008/09 - Hauptseminar

    Triebschicksale. Medea, Don Giovanni, Casanova

    Do 13-16h, LMU, Ludwigstr. 28/Rü, R. 026.

    Medea, Don Giovanni oder Don Juan und Casanova sind fast mythische Figuren, die in unserer Tradition für ein in ganz verschiedener Hinsicht maßloses Lieben stehen. Medea mordet ihre Kinder aus verratener Liebe; es erscheint ihr als das effektivste Mittel, sich an ihrem Mann zu rächen. Don Juan ging es um „ la giovane principante.“ (Da Ponte). Wie die Eroberer, die nie betretenes Land zum ersten Mal berühren wollen, jagte er die Jungfrauen und überhaupt Frauen, die schwer zu haben sind, weil sie Gott oder andern Männern gehören. Sorgfältig führt er Buch: „e in Spagna, son mill e tre.“ Ein homme à hommes? Casanova war Fußfetischist. Daran reizte ihn die leichte Zugänglichkeit des Vergnügens, die allen vor Augen steht, die aber die meisten gar nicht zu genießen wüßten. Casanova, der mit Gott und der Welt schlief ohne dabei je erfüllt zu sein, interessierte sich nicht wirklich für Männer, sondern war hommes à femmes: ein Mann, der den Frauen gehörte, weil ihn keine zu fesseln vermochte. Das Seminar geht diesen, dank der Literatur analysierbar gewordenen Triebschicksalen nach.
    Texte:

    Freud, Fetischismus. Lacan, Encore (in Auszügen). Euripides, Medea. Seneca, Medea. Pasolini, Medea. Mozart/Da Ponte, Don Giovanni. Molière, Don Juan. Laclos, Les liaisons dangereuses. Casanova, Histoire de ma vie (in Auszügen).